Wohin damit?

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Irgendwann in der Nacht wachte ich auf und hatte das Gefühl, dass ich mich lösen müsste – wie ihr Menschen so sagt.  Also auf Hundedeutsch: Ich musste dringend einen Haufen machen!
Aber wohin. Bestimmt nicht auf mein schönes Hundekissen. Neben das Bett meiner neuen Menschen eher auch nicht.

So dachte ich mir,  am Besten dahin, wo man rausgeht aus dem Raum, also vor die Tür.
Gesagt getan. Und dann wieder ab aufs gemütliche Hundekissen mit den angenehm riechenden Menschensocken.

Dann wurde ich wieder wach, weil meine neuen Menschen aufgeregt vor der Schlafzimmertür standen. Diese ließ sich nur nach innen öffnen und davor lag mein Haufen.
Verzweifelt suchten sie nach einer Möglichkeit, meinen Haufen zu entfernen, um die Tür öffnen zu können.

Mensch, war mir das unangenehm.

Ich machte jetzt einfach so, als ob ich schlafe. Aber ich gebe zu, ich habe sie beobachtet. Nur sie haben es gar nicht gemerkt.

Mit Tempotaschentüchern haben die beiden dann irgendwie meinen Haufen so verschieben können, um die Tür zu öffnen und dann mit Haushaltsrollen fachmännisch zu entsorgen.

So, nun konnte ich ja auch laut gähnend kundgeben, dass ich aufgewacht bin.

Ich nahm erst mal eine Socke ins Maul und schüttelte sie kräftig durch.

Mein erster Tag bei meinen neuen Leuten

Der neue Tag konnte beginnen. Was würde mich bei meinen neuen Menschen erwarten? Ich war sehr gespannt, aber hatte auch ein wenig Angst davor, was mich erwartet. Jetzt bei Tageslicht sah alles anders aus als gestern spätabends. Irgendwie freundlicher und nicht so bedrohlich.

Ich hörte ein Geräusch, dass ich auch aus dem Tierheim kannte und rannte gleich los, um zu sehen, ob ich recht habe.

Ja, ich hatte recht. Das war das Geräusch, wenn Trockenfutter in einen Napf geschüttet wird.
Stimmt, die Frau vom Tierheim hat meinen Menschen noch einen ganzen Sack mit diesem Futter verkauft, welches ich im Tierheim bekommen habe. Die Frau sagte meinen Menschen, dass eine plötzliche Futterumstellung nicht so gut sei.

Naja. So schlecht hat das auch nicht geschmeckt.
Ich also gleich ran an den Futternapf, der irgendwie viel zu groß für mich war. Und da hab ich mich dann aber erschrocken.
Als ich loslegen wollte mit dem futtern, klackerte es. Ich wieder zurück. Neuer Versuch. Schon wieder klackerte das. Aber ich hatte so einen Hunger.

Ich habe allen Mut zusammen genommen und bin wieder ran an den Napf. Es klackerte wieder und nachdem meine neuen Menschen lachten und sagten: “Sieh mal, die Metallöse von seinem Halsband schlägt immer gegen den Napf”, wusste ich, dass es nichts Schlimmes war.
Aber wie ich euch schon sagte: Ich bin ein sehr vorsichtiger Hund. Sicher ist sicher.

Naja, ich hab den Napf leer gemacht, das frische Wasser aus dem Topf daneben getrunken.

Schlupf, schlupf, schlupf – Pause – schlupf, schlupf – Pause und wieder dreimal schlupf. Das mache ich heute noch so im 3-2-3-Takt. Mein Herrchen glaubt sogar, mich allein am Trinkgeräusch unter hundert anderen Hunden erkennen zu können.

Mensch, das glaub ich ihm sogar.

Alles neu für mich

Meine neuen Menschen saßen an einem Tisch. Darauf standen zwei Teile, aus denen es qualmte. Und sie steckten sich weiße Teile in ihren Mund. Aus denen qualmte es auch.
Ich war ja noch so klein und wusste nicht, dass es Kaffee und Zigaretten waren.
War mir auch relativ egal, muss ich sagen.

Ich schaute mich erst mal ein wenig in den Räumen um, die bei Tageslicht ganz anders aussahen, als gestern Nacht.
Außerdem war ich gestern total müde. Und heute bin ich putzmunter.

Hm, die Schlafzimmertür war zu. Da soll ich wohl nur nachts rein. Okay. Schau ich doch nochmal ins Wohnzimmer.

Komisch, der Kasten, in dem ich gestern noch einen anderen Hund gesehen und sogar gehört habe, war ohne Leben. Kein Hund, kein Bellen, keine anderen Geräusche. Nur etwas Schwarzes, ohne Leben.

Ich rieche vorsichtshalber mal an dem Kasten. Autsch. Das hat kurz an meiner Nase “gezwiebelt”.

Heute weiß ich natürlich, dass so ein Röhren-Teil statisch aufgeladen war und dass ihr Menschen deshalb Flachbildschirme erfunden habt. Bei denen passiert das nicht.

Mensch, ihr denkt ja auch an uns Hunde.

Plötzlich nimmt mich mein Herrchen auf den Arm und es geht Treppen hinunter, ehe wir im Freien sind. Ich überlege noch, wie ich da jemals alleine runterlaufen soll, aber da draußen vergesse ich nun diese Bedenken.

Als erstes fällt mir ein, dass ich mal Pipi muss. Ich pinkel einfach im Stehen auf allen Vieren, obwohl ich ein Rüde bin.

Mein Herrchen sagt “fein”. Also habe ich nichts falsch gemacht.

Ich überlege, ob ich auch groß machen muss. Aber muss ich noch nicht, auch wenn mein Herrchen immer etwas von Kacka machen oder so brummelt. Nein, ich muss jetzt keinen Haufen machen. Vielleicht später.

Oh, was ist das denn für ein Riesen-Stuhl da? Ich bekomme Angst und gehe wieder rückwärts Richtung Haustür.

Jetzt lacht nicht. Heute weiß ich natürlich, dass ihr Menschen so etwas Strandkorb nennt.

 

Wenn dich interessiert, was ich noch Alles in meinem Hundeleben erlebt habe, dann lies doch “Ausflug ins Ostseebad Dahme”

Andi

andi

Ich bin im Sternzeichen des Schützen geboren. Nun weißt du Alles über mich.

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1 Antwort

  1. 17. September 2019

    […] Wenn es dich interessiert, wie mein Hundeleben weitergeht, dann lies doch “Wohin damit” […]

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