Meine Kindheitserinnerungen an Weihnachten

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Das Räuchermännchen …

… war nur eins von vielen Weihnachtsutensilien in meiner Kindheit.

Da gab es noch den großen Nußknacker mit dem roten Frack und der riesengroßen schwarzen Mütze, Weihnachtspyramiden aus dem Erzgebirge, die sich unter der Wärme der Kerzen drehten. eine Weihnachtskrippe, ein Podest mit vielen Engeln mit Musikinstrumenten und in der Mitte einem Klavier. Selbstgemachter Adventskranz und Weihnachtssterne für’s Fenster.

Vieles von der Verwandtschaft in der DDR, damals Ostzone oder kurz Zone genannt, als Dank für die Ost-Pakete, die immer gefüllt mit Schokolade, Kaffee, Strumpfhosen und anderen knappen Gütern zur Weihnachtszeit vom Westen in die Zone geschickt wurden. Privat an unsere eigene Verwandtschaft, aber auch von der Schule aus organisiert an fremde Landsleute in der Zone.

Aus der Ostzone kamen als Revanche, wie schon erwähnt, selbstgebackene Dresdner Stollen und Weihnachtschmuck aus dem Erzgebirge in den Westen. Beim Stollen habe ich mir heute unverständlicherweise immer die Zitronate und Orangeate herausgepuhlt, weil ich sie als Kind nicht mochte.

Früher war mehr Lametta

Natürlich gab es damals in meiner Kindheit auch einen echten Weihnachtsbaum mit echten Kerzen, echten Weihnachtskugeln und viel Stanniol-Lametta nach dem Motto “Früher war mehr Lametta”. Ach ja, Süßigkeiten hingen auch noch am Weihnachtsbaum nach dem Motto “Früher war mehr Karies”. Und das Wichtigste nicht zu vergessen: Die “pompöse” Baumspitze.

Als ich kleiner war, musste ich am sogenannten “Heiligabend” nachmittags ins Bett. In dieser Zeit wurde dann der Baum geschmückt und die Geschenke darunter plaziert, die oft auch praktisch waren, also Klamotten, Schuhe oder so etwas. Aber ich entsinne mich auch an aufregendere Geschenke wie einen Chemiebaukasten, ein Fernrohr oder ein Mikroskop.

Die elektrische Eisenbahn stand ja immer schon seit meinem Geburtstag im Dezember im Foyer und wurde erst in der zweiten Januarwoche wieder abgebaut. Sie war natürlich auch ein fester Bestandteil des Weihnachtsfestes, der Vor- und Nachweihnachtszeit und des Jahreswechsels beziehungsweise der Weihnachtsferien für meine Freunde und mich sowie für meinen Vater.

Nach den unendlich langen zwei Stunden “Zwangsverbettung” war’s dann soweit. Ein Glöckchen bimmelte und es gab die sogenannte Bescherung. Das Geschenkpapier musste immer wieder schön ordentlich zusammengefaltet werden, da es natürlich wiederverwendet und nicht entsorgt wurde.

 

VideoCapture youTube Video “Weihnachten damals”

 

Dann mussten wir Gedichte aufsagen und etwas auf der Blockflöte, später ich sogar auf der Geige, vorspielen. Das mit der Geige ist allerdings eine Geschichte für sich.

Ach, sie passt hier rein, so erzähle ich sie.

Meine Stradivari und ich

Mein Opa väterlicherseits war Musiker in einem Orchester in Dresden und er schenkte mir irgendwann mal eine Stradivari, also wohl keine echte, sondern ein Nachbau-Modell.

So kam es, wie es kommen musste, ich bekam Geigenunterricht bei einer Geigenlehrerin. Das Geld für den Unterricht bekam ich immer mit, um es der Lehrerin nach jeder Unterrichtsstunde zu überreichen. Anfangs machte ich das auch brav. Aber irgendwann dachte ich, dass ich das Geld besser gebrauchen könnte und behielt es ein. Für Zubehör für mein Fahrrad. Schmutzfänger, Seitenspiegel, Tacho, Katzenaugen, Gepäcktaschen, was es so alles an Zubehör gab. Bald sah mein Fahrrad aus wie ein voll behangener Weihnachtsbaum (wo wir wieder kurzfristig beim Thema wären) und die Geigenlehrerin wurde langsam böse, weil sie schon für mehrere Unterrichtsstunden kein Geld bekommen hat.

Zudem erkannte sie allmählich am Gekrächze, die der Bogen auf den Saiten meiner Geige verursachte, dass ich ganz bestimmt kein Geigenvirtuose werden würde. Der gleichen Meinung waren bestimmt auch unsere Nachbarn, denen das Gejaule, die meine “Stradivari” verursachte, nicht entgangen sein konnte.

Lange Rede, kurzer Sinn. Die Geigenlehrerin bekam ihr Geld, ich eine Standpauke und meine Musiker-Karriere war beendet.

Zurück zum Weihnachtsabend.

Was es Heiligabend zu essen gab, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Auch nicht, ob der Fernseher angemacht wurde. Es gab ohnehin nur zwei oder später drei Programme. Und Sendeschluss mit Nationalhymne war auch immer um Mitternacht herum. Ich weiß aber, dass wir an einigen Weihnachten am Heiligabend in die Kirche gegangen (worden) sind. Zu welcher Uhrzeit, weiß ich auch nicht mehr, nur, dass es immer sehr langweilig war.

Der Dupps war tabu

Die beiden Weihnachtsfeiertage verliefen immer so, dass wir am ersten Weihnachtsfeiertag zu meinem Opa mütterlicherseits nach Bonn zum Gänsebraten-Essen gefahren sind. Den fetten Hintern der Gans, den Dupps, hat mein Opa immer für sich als Hobby-Koch in Anspruch genommen. Er kochte gerne und gut, auch wenn man damals noch nicht derart mit Kochsendungen überschüttet wurde, wie heute. Nein, so etwas gab es damals nicht im Fernsehen.

Den zweiten Weihnachtsfeiertag haben wir, glaube ich, bei meiner Großmutter in Bad Kreuznach verbracht.

Ja, das waren so spontan meine Erinnerungen an das Weihnachtsfest in meiner Kindheit in den 60er Jahren, also als ich so um die zehn Jahre alt war.

Heute, in diesen unruhigen, pandemischen Zeiten und ohne Familie bedeutet mir Weihnachten nichts mehr. Ich finde, dieses christliche Fest passt auch nicht mehr in die heutige eher unchristliche Zeit. Religion im allgemeinen ist meiner Meinung nach nicht mehr zeitgerecht und schafft zu viel Unfrieden in der Welt.

Nur auf mein Räuchermännchen würde ich nicht verzichten wollen.

 

youTube-Video “Weihnachten damals”

Eigentlich hat sich seit den 60ern nicht allzuviel verändert. Das gleiche Streben nach Umsatz und Geld, die gleichen Unterschiede zwischen arm und reich. Damals gab auch schon Menschen, die von der Gesellschaft ausgegliedert wurden wie die heutigen Hartz-4-Empfänger. Man nannte sie die Willensschwachen.

Nur eins schien anders und besser gewesen zu sein: Die Menschen waren insgesamt höflicher und hilfsbereiter. Den Eindruck gewinnt man zumindest aus dieser guten und interessanten Dokumentation des SWR.

 

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andi

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