Schon mal einen Platten gehabt?

Foto: fineartamerica
Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

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Da waren wir platt

Statistisch gesehen hat ein Autofahrer rund alle 150.000 Kilometer eine Reifenpanne. (Quelle: ADAC). Oder alle zehn Jahre. Wir haben 148.000 km runter, als es passiert. Das Ärgerliche: Der Reifen war neu und ist gerade mal 400 km gelaufen.

Ich verbrachte den Tag in Warnemünde, Vera im Garten. Abends holte ich sie ab, weil wir uns ein Schlemmerbuffet beim Chinesen gönnen wollten. Um 21 Uhr verließen wir das Restaurant und wollten nach Hause fahren. Nach zwei, drei Metern merkte ich, dass wir einen Platten haben mussten. Tatsächlich. Wir hatten einen.

Nicht, dass ich keinen Reifen wechseln kann. Ich durfte nur nicht aus gesundheitlichen Gründen. Also: ADAC anrufen. In dem Stress hatte ich zunächst vergessen, dass ich ja auch die ADAC-PannenApp auf dem Smartphone hatte. Den Anruf mit der Beantwortung aller Fragen nach Mitgliedsnummer, Kennzeichen, Fahrzeugtyp und so weiter sowie dem Hinweis, dass wir ein Ersatzrad an Bord haben, hätten wir uns also sparen können.

Egal. Die freundliche Dame vom ADAC sagt um 21:06 Uhr, dass es etwa eine Stunde dauern würde. Es ist übrigens ein Freitagabend. Wir hören das Live-Konzert von Roland Kaiser im nahen IGA-Park, das noch eine Bedeutung bekommen sollte, ungewollt mit.

Zunächst empören wir uns, dass es überhaupt so lange dauern sollte. Aber dann sagen wir uns, dass ja Pannen auf der Stadtautobahn von Rostock bevorzugt vor denen im Stadtgebiet abgearbeitet werden und warten geduldig. Es ist ja auch ein lauer Juniabend bei Vollmond.

Roland Kaiser singt unweit entfernt im IGA-Park

Als eine gute Stunde rum ist, meldet sich die freundliche Dame vom ADAC nochmal und sagt, dass der Pannendienst noch “einen Fall” abarbeiten müsse und dass wir dann dran seien. Der Fahrer des Pannendienstes würde sich dann kurz vorher telefonisch melden. Ich kalkuliere im Kopf, dass dann so etwa um 21.45 Uhr spätestens ein Pannendienst bei uns sein müsste.

Es tat sich allerdings nichts. Nur Roland Kaiser arbeitete seine Live-Show fleißig ab.

Um 22:45 Uhr fällt mir dann die Pannen-App vom ADAC auf meinem Smartphone ein und ich schickte unseren Standort mit dem Hinweis, dass wir bereits um 21:06 Uhr eine Reifenpanne gemeldet hatten, erneut ab. Um etwa 23 Uhr meldet sich der Pannenhelfer per Telefon und sagt, er wäre in etwa 10 Minuten da.

Gelb und im Auftrag

Gegen 23 Uhr 10 kommt dann ein privates Abschleppfahrzeug mit der Aufschrift “Im Auftrag des ADAC” angerauscht. Und jetzt kommt der Hammer: Der Fahrer machte uns weiß, dass er auf seinen Chef wütend sei, weil er Autos im Auftrag der Polizei abschleppen musste, die um den IGA-Park herum falsch geparkt haben, anstelle den ADAC-Auftrag auszuführen. So habe ich ihn zumindest verstanden.

Tatsächlich, so habe ich recherchiert, würde die Pannenhilfe des ADACs zusammenbrechen, würde er sich nicht etwa siebenhundert privater Abschleppfirmen, sogenannter “Mobilitätspartner” bedienen, die sich wiederum vom ADAC ausgebeutet fühlen, ja sogar um ihre Existenzen fürchten.

Da fällt mir gerade ein: 2014 wurde das Image Deutschlands größten gemeinnützigen Vereins durch Aufdeckung von Umfragefälschungen und persönlichen Bereicherungen stark geschädigt. Es wurde damals auch bekannt, dass sich der ADAC und seine “Mobilitätspartner” anhand von Abtretungserklärungen, die sie gestresste Unfallopfer unterschreiben ließen, gegenseitig zum Nachteil von Kfz-Versicherern bereicherten.

Aber zurück zu unserer Reifenpanne, die ich leider aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst in die Hand nehmen konnte und diesmal die Hilfe des ADACs in Anspruch nehmen musste.

Der Mitarbeiter des Abschleppunternehmens entfernt also den platten, erst zwei Monate frischen Reifen und montiert das 22 Jahre alte Original-Mercedes-Pirelli-Notrad, dessen Gummi natürlich furztrocken, nicht mehr schwarz, sondern eher hellgrau ist und nur ein wenig Luft verloren hatte. Rissig sieht es aber nicht aus. Es war ja gut geschützt in der dafür vorgesehenen Mulde unseres E290 TTD gelagert und noch nie im Einsatz. Wie wir erfahren, ist es heutzutage eher selten, dass Pkws mit Noträdern oder Ersatzrädern ausgestattet sind.

Für fünf Euro gibt’s Luft

Als er fertig ist, gibt er uns noch den Ratschlag, zur nächsten Tankstelle zu fahren, um die fehlende Luft zuzuführen. Vera fragt mich durch Blickkontakt, ob sie dem Pannenhelfer 5 Euro Trinkgeld geben sollte. Ich stimme zu und da fällt dem Pannenhelfer auf einmal ein, dass er ja die Möglichkeit hat, uns den Reifen vor Ort mit seiner LKW-Druckluft aufzupumpen. Das ist zwar eine nette Antwort auf unsere nette Geste, aber eigentlich wäre das als Pannenhelfer im Auftrag des ADACs auch ohne Trinkgeld seine Pflicht gewesen, sag ich mal so.

Um Mitternacht können wir nun nach einer Wartezeit von mehr als zwei Stunden nach Hause fahren. Auf Roland Kaiser sind wir deshalb nicht gut zu sprechen. Hatte er uns diese lange Wartezeit doch eingebrockt, wenn man es als kausalen Zusammenhang betrachtet.

Was hat ihn platt gemacht?

Dann die große Frage: wodurch ist der Platten denn nun entstanden? Durch Sabotage mit Messerstich, durch einen Nagel, eine Schraube oder gar einen spitzen, sehr spitzen Stein?

Also Nagel oder Schraube entfällt, da keines von beiden im Reifem steckte. Sabotage durch Messerstich auch eher unwahrscheinlich in diesem Fall, da wir auf einem Parkplatz standen und niemanden gestört oder behindert haben.

Bleibt nur noch ein sehr spitzer Stein, den wir in Verdacht haben und der dummerweise als Bauschutt der anliegenden Straßensanierung zur Ausbesserung von Löchern auf dem “KGV Oslo-Parkplatz” verwendet wurde. Kann ein Reifen tatsächlich durch einen solchen Stein zerstört werden?

Der Freundliche von Der Autoexperte Lütten Klein bestätigt meine Vermutung: Die Beschädigung des Reifens zeigt tatsächlich das Muster einer Beschädigung durch eine solche Steinspitze.

Und wenn ich so darüber nachdenke: Die Steinzeitmenschen haben ja auch Waffen und Werkzeuge aus solch zugespitzten Steinen gebaut. Ein solcher Stein kann also Einiges anrichten und deshalb sollte Bauschutt mit derart spitzen Steinen nicht zur Ausbesserung von Löchern auf einem Parkplatz genutzt werden.

Haftet der Parkplatzbetreiber für den Platten?

Da nun feststeht, dass der Platten nicht durch einen Nagel beziehungsweise eine Schraube entstanden ist, sondern ganz offensichtlich durch einen extrem spitzen Stein auf dem Privatparkplatz eines Kleingartenvereins, dem wir angehören, habe ich mich natürlich mit der Frage der Haftung für diesen Schaden und eventuellen Schadenersatz beschäftigt. Denn wir bezahlen auch in unserer jährlichen Pacht einen Beitrag für eine Haftpflichtversicherung des Vereins.

Der Verein hat seine Verkehrssicherungspflicht insofern verletzt, als er offensichtlich und nachweislich Löcher auf dem Parkplatz mit Bauschutt aus einer angrenzenden öffentlichen Straßenbaustelle zugefüllt hat. Der Bauschutt ist jedoch nicht hierfür geeignet, da er aus einer Vielzahl von spitzkantigem Bruch besteht, der auch laut Auskunft von Fachleuten in der Lage ist, einen neuen Reifen wie unseren mit nur 400 km Laufleistung zu zerstören. Den extrem spitzen Stein, der dort lag, wo wir geparkt hatten, haben wir auch “sichergestellt”.

Der Verein ist für den Parkplatz, den er seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt, verantwortlich und hat für dessen Verkehrssicherheit Sorge zu tragen und somit auch dafür zu sorgen, dass den Pächtern kein Schaden an ihren Fahrzeugen durch die Nutzung entsteht. Dabei kommt es auch nicht darauf an, ob es sich um leichte, mittlere oder grobe Fahrlässigkeit handelt.

Dadurch, dass der Verein durch unsachgemäßes Auffüllen des Parkplatzes mit ungeeignetem Material für die daraus entstehenden Schäden haftet, steht uns als Geschädigte ein Schadenersatz im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB zu.

So sehe ich das und werde diesen Anspruch geltend machen.

Die Beschädigung in der Profilrille des Barum Bravuris (Continental-Group)-Reifens.

Ich würde nach diesem Erlebnis jedem empfehlen, das Reserve- oder Notrad einmal im Jahr auf Luftdruck zu überprüfen und vor Allem mit einem Gummipflegemittel zu behandeln, damit das Gummi nicht spröde wird. Und den Wagenheber gegebenenfalls regelmäßig einsprühen, damit er leicht gängig ist. Besonders empfehlen würde ich, einen für die Radmuttern passende Ratsche an Bord zu haben.

Notrad, Runflat-Reifen oder Pannenset

“Ein Notrad ist schmaler als ein vollwertiges Ersatzrad. Wenn Sie dieses aufziehen, dürfen Sie mit maximal 80 km/h weiterfahren. Wichtig: Tauschen Sie das Notrad so schnell wie möglich gegen ein Rad mit Normalbereifung aus.

Bei einer Panne mit Runflat-Reifen können Sie mit reduzierter Geschwindigkeit (meist 80 km/h) 80 bis 100 Kilometer bis zur nächsten Werkstatt weiterfahren. Achten Sie auf die Hinweise in der Bedienungsanleitung.

Statt eines Ersatzreifens haben viele Fahrzeuge nur noch ein Pannenset an Bord, bestehend aus Dichtmittel und einem Kompressor. Damit sollen sich Stichverletzungen oder kleine Risse in der Lauffläche des Reifens abdichten lassen.” (Zitat ADAC)

Links

Notrad beim Mercedes: Was muß man beachten?

GTÜ testet Reifenpannensets

Mercedes-Forum

Mercedes E-Klasse W210-Forum

Link zu allen ADAC-Apps

Ist ein Ersatzrad Pflicht?

Das Reserverad: Nützlich oder mittlerweile überflüssig?

Geschwindigkeitsindex beim Reifen: Wo finde ich den?

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andi

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3 Antworten

  1. andi sagt:

    Meine Frage bei Quora, ob ein spitzer Stein einen (neuen) Autoreifen zerstören kann –>> https://de.quora.com/Kann-ein-sehr-spitzer-Stein-einen-neuen-Autoreifen-zerst%C3%B6ren

  1. 2. Dezember 2019

    […] Vielleicht interessiert dich auch mein Blog-Arikel “Schon mal einen Platten gehabt?” […]

  2. 4. Dezember 2019

    […] Vielleicht interessiert dich auch mein Blog-Artikel über die Haftung des Parkplatzbetreibers in “Schon mal einen Platten gehabt?” […]

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