Als es mir an die Gurgel ging …

Geschätzte Lesezeit: 22 Minuten

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Beim Herzkasper-Doc

Heute habe ich einen Termin beim Kardiologen zur Untersuchung der Halsschlagader (arteria carotis) mittels Duplex-Sonographie.

Das fängt schon gut an.

Normalerweise beträgt die Fahrtzeit in die Rostocker Innenstadt etwa 15 Minuten, aber als ich rechtzeitig eine halbe Stunde vor dem Termin losfahre, zeigt das Navi-Programm an, dass die voraussichtliche Fahrtzeit 30 Minuten betragen würde. Doch dann kommt noch eine Baustelle und Umleitung kurz vor der Arztpraxis und nach einer dreiviertel Stunde Fahrtzeit stehe ich außer Atem in der Praxis. Meine Frau musste übrigens 25 Anrufversuche in die Praxis starten, um meine Verspätung anzukündigen. Einmal wurde sogar aufgelegt. Erreichbarkeit ist etwas Anderes.

Sofort, ohne Ruhezeit, wird von einer männlichen “Schwester” (so nennt man hier im Osten die Arzthelferinnen) mein Blutdruck gemessen und ein Ruhe-EKG gemacht. Alles im Schnell-Verfahren durch diesen “Bruder”, also die männliche Schwester.

Dann schickt er mich ins Arztzimmer. Ich soll schonmal auf der Liege Platz nehmen. Bloß keine Sekunde Zeit verlieren. Auf der Liege ein braunes Handtuch. Glücklicherweise habe ich mein eigenes mit und das braune Handtuch wird von dem “Bruder” entfernt. Ich lege mich auf die Liege und da kommt auch schon der Arzt, öffnet das Programm für die Untersuchung am PC, der an der Wand steht, er also mit dem Rücken zu mir sitzt. Genial gelöst für ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis.

Ich: Und Sie wollen jetzt an meine Arteria Carotis? Er: Ja, wenn sie mich lassen. Sonst eben nicht. Ich: Klar doch, machen Sie mal.

Dann setzt er sich neben mich auf die Liege und fährt mit einem glibschigen Scanner an meinem Hals lang, links und rechts. Zwischendurch höre ich so einen gurgelndes Geräusch. Während des Scann-Vorgangs erzählt er mir von einem Projekt der Uniklinik Rostock für Telemedizin mit chronischen Herzpatienten und ob ich Interesse an einer Teilnahme hätte. Meine Krankenkasse würde das Projekt unterstützen. Ich müsse mich nur täglich wiegen und die Daten anonymisiert weiterleiten. Die Waage bekäme ich gestellt, würde mich also nichts kosten.

Ich: Klar, mach ich da mit.

Dann kommt seinerseits der Zusatz: Dann müsste aber nochmal eine aktuelle Sonographie vom Herzen gemacht werden und ein neuer Termin, weil die zuständige Kollegin auf Hochzeitsreise sei, die mit mir einen Fragebogen durchgehen müsse.

Und währendessen scannt er meinen Hals weiter, sagt aber kein Wort, was genau er da tut und was er sieht beziehungsweise feststellt. Ich bin ja nur der dumme Patient, den das nicht zu interessieren hat.

Ich denke so bei mir: welche Vorteile hätte ich eigentlich von einer Teilnahme bei dieser Studie?

Viel weiter komme ich nicht mit dem Nachdenken, als der Scanvorgang beendet ist und der Arzt sagt: Also, bei ihrer linken Halsschlagader kann ich keine Fliessgeschwindigkeit feststellen, ich glaube, die ist dicht. Ich mach mal ne Überweisung für ein CT. Mehr sagt er nicht. Kein Wort, was ein CT überhaupt ist und welche Risiken bestehen. Er geht wohl davon aus, dass jeder schonmal davon gehört hat, von der sogenannten Röhre.

Er setzt sich an seinen Computer, mir den Rücken zugewandt, und beginnt den Befund einzutippen.

Sofort fängt mein Kopfkino an zu laufen:

Ader verstopft, Hals muß aufgeschnitten und Halsschlagader muß ausgekratzt werden, Blutgerinsel löst sich, Gefahr von Gehirnblutung, Vollnarkose, nie wieder aufwachen, Arzt verwechselt linke mit rechter Arterie, Wattetupfer wird im Hals vergessen, Krankenhauskeime, vorher in die Röhre, sargähnliches Teil, radioaktiver Strahlung ausgesetzt, allergisch gegen das Kontrastmittel, Gehirntumor wird entdeckt  …

Ich sage im Schockzustand: Darüber muß ich erstmal nachdenken.

Ich kleide mich mich wieder an, während er wortlos weiter tippt. Mit dem Rücken zu mir, versteht sich.

Dann sagt er beiläufig: Da besteht aber akut die Gefahr eines Schlaganfalles. Das mit der Studie können sie auch über ihre Hausärztin machen. Alles Gute dann.

Was ist denn jetzt los, sage ich so zu mir. Darf man als Patient nicht mal darüber nachdenken, ob man eine Computertomographie (CT, umgangssprachlich “Röhre”) überhaupt möchte. Eine Röntgenuntersuchung, bei der dann vielleicht auch ein Gehirntumor entdeckt wird, von dem man eigentlich nichts wissen will. Und wer setzt sich schon gerne freiwillig krebserregenden radioaktiven Strahlen aus?

Ich hole mir am Tresen bei der Schwester den Befund für die Hausärztin ab, sie druckt sogar noch eine Kopie für mich aus, als sie merkt, dass ich den Briefumschlag öffne, um den Befund zu lesen. Geht ja schließlich um mich. Auch wenn ich viele Fachausdrücke erst von Tante Google übersetzen lassen muss, was die Ärzte gar nicht gerne sehen. Denn: Ein dummer Patient ist ein einfacher Patient, den man schnell “abwickeln” kann. Je mehr er sich allerdings informiert, desto mehr hinterfragt er und desto zeitintensiver ist ein neugieriger Patient. Und da Ärzte durch unser fragwürdiges Gesundheitssystem gezwungen sind, unternehmerisch und nicht hippokratisch zu denken, gefallen ihnen solche Patienten wie ich gar nicht.

Video-Capure von Madonna’s ausgeprägter Halsschlagader

Auf der Rückfahrt denke ich über den Ablauf dieses Arztermins nach. Also, da steht doch glatt im Befund “Ein Angio-CT der Halsgefäße wurde dem Patienten angeraten. Er möchte darüber zunächst nachdenken”. Stimmt bis hierhin. Aber dann folgt: “Ausführliche Aufklärung über Apoplex-Risiko erfolgt.”

Also das ist ja der Hammer! Eine ausführliche Aufklärung ist NICHT erfolgt. Ich wusste bis jetzt gar nicht, dass Apoplex ein Schlaganfall, Gehhirnschlag ist und informiere mich jetzt erst via Google darüber. Bisher habe ich ohnehin Herzinfarkt und Schlaganfall für das Gleiche gehalten, weil es mich früher nie interessiert hat und ich um Alles, was mit Krankheiten zu tun hat, einen großen Bogen gemacht habe.

Wollen die mich umbringen?

Und wieso hat er mir einen “notwendigen CSE-Hemmer” (wörtlich im Befund), nämlich “Atorvastetin Accord” verschrieben? Ohne mich aufzuklären, warum. In der letzten Blutuntersuchung lag mein “schlechter” Cholesterinwert, der LDL bei 3.55, also nur knapp über der Norm von 2.60-3.40. Okay, mein “guter” Cholesterin-Wert, der HDL könnte mit 0.99 bei einer Norm von >1.03 höher sein. Aber die immer mehr werdenden Tabletten, mittlerweile fünf verschiedene an der Zahl ( die 6. Tablettenart habe ich selbst abgesetzt ) machen mir Sorge.

Sind die wirklich alle notwendig? Ist das nicht kontraproduktiv und schädigt man damit nicht andere Organe? Speziell die neu verschriebenen Statine scheinen die Leber zu schädigen. Aber nachdem ich mir das Video “Kann man Arteriosklerose rückgangig machen” von Dr. Heart (siehe Video-Galerie unten) angeschaut habe, bin ich nun von der Notwendigkeit der Verschreibung eines CSE-Hemmers, auch Statin oder Lipidsenker genannt, überzeugt. Allerding hätte ich als Patient erwartet, vom behandelnden Arzt darüber aufgeklärt zu werden, warum ich diese Tablette nehmen sollte.

Ich stelle mir die Fragen:

Je mehr man weiß, desto mehr macht das einen selbst und die nahestehenden Personen nur noch kränker, ist das nicht so?

Wäre es nicht besser gewesen, wenn ich bei einem meiner 30 Synkopen gleich ins Krankenhaus gekommen wäre?

Hätte ich dann nicht schon alle erforderlichen Untersuchungen hinter mir, die jetzt wohl aus Kosten- und Abrechnungsgründen häppchenweise quartalsmäßig gemacht werden?

Warum wurde bei der Echokardiographie meines Herzens im November 2018 nicht gleich die Duplex-Sonographie der Halsschlagadern mitgemacht? Das Gerät war ja das Gleiche. Aus Abrechnungsgründen?

Ich nehme mir vor, mich die nächsten Tage mal genau im Internet zu informieren. Ärzte haben dafür schon lange leine Zeit mehr.

Wartezimmer oder Telemedizin?

Nun will ich mich erstmal über die vom Arzt erwähnte Studie “HerzEffekt MV” informieren und klicke auf den Link HerzEffekt MV. Ich google weiter und finde einen NDR.de-Artikel vom 14.5.19 mit der Überschrift “TeleMedizin-Studie HerzEffekt vor dem Aus“. Von diesem drei Tage alten Artikel und der Tatsache, dass das Projekt vor dem Aus steht, wusste der Arzt offensichtlich gar nichts. Also rufe ich bei der kostenlosen 800er-Nummer an und eine “Schwester” Delana klärte mich darüber auf, dass das Projekt weiterläuft und immer noch Teilnehmer für diese Studie gesucht werden.

In einem Informationsvideo auf der Website HerzEffekt MV erfahre ich dann, dass man je nach Eignung mit einem Blutdruckmessgerät, einer elektronischen Waage, einem Sauerstoffsättigungsmessgerät oder einem Bewegungstracker ausgestattet wird. Eine elektronische Waage und einen Bewegungstracker habe ich mir schon von meiner kleinen Rente selber beschafft, da ich dies für wichtig erachtet habe. Da gab’s keinen Zuschuß von der Krankenkasse. Nur ein Blutdruckmessgerät bekam ich auf Anfrage von meiner Hausärztin verschrieben, nachdem mein eigenes aus Altersschwäche den Geist aufgegeben hat. Das Sauerstoffsättigungsmessgerät (Fingerpulsoximeter) habe ich noch nicht. Okay, gibt es ab 20 € bei Amazon. Also, materielle Vorteile hätte ich insofern bei einer Teilnahme nicht, außer vielleich noch weitere Fahrt- und Parkkosten wegen zusätzlicher Termine beim Arzt für zusätzliche Untersuchungen. Gut, ich wäre möglicherweise besser überwacht als ohne Teilnahme. Das wäre der Pluspunkt und das Argument, an dieser Studie teilzunehmen.

Rechnerisch bin ich in zwei Jahren blind

Ich google weiter und erfahre von Tante Google, nicht von dem Augenarzt, der mein linkes Auge sinnlos operiert hat, dass die Verschlechterung meines linken Auges auch mit der verstopften oder verengten Halsschlagader zu tun haben könnte. Unglaublich!

Da ich mit der Brille, die dieser Augenarzt verordnet hat, nicht richtig gucken konnte, mein Gehirn die Sehsignale irgendwie nicht richtig verarbeiten konnte, ich mich ausgesprochen unwohl fühlte und deshalb schon fast ungenießbar wurde, bin ich vor zwei Wochen zu Fielmann gegangen, um mir dort den Rat zu holen, den ich im Augenzentrum Nordwest in Rostock bei der Massenabfertigung nicht erhalten habe.

Die freundliche Optikerin von Fielmann nahm sich richtig Zeit, meine Augen nochmal sehr intensiv und sorgfältig zu messen und kam zu dem Ergebnis, dass sich der Visus, also die Sehstärke des rechten Auges innerhalb von fünf Monaten um 5% auf 45% verschlechtert hat und das linke Auge ebenfalls um 5% auf nur noch 20% Sehstärke. Mit einer Sehschwäche von 20% bin ich ja eigentlich ein Behinderter. Ein Sehbehinderter.

Also rechnerich könnte mein linkes Auge in zwei Jahren erblindet sein. Falls ich bis dahin nicht einen plötzlichen Herztod durch meine Herzinsuffizienz oder die Herzrythmusstörungen erlitten habe oder durch einen Schlaganfall aufgrund der möglicherweise verstopften Halsschlagader dahinsieche.

Und da fällt mir ein, was in meinen Schulbüchern oft bei Persönlichkeiten der Geschichte stand: Er starb einsam und verarmt im Alter von …

Video-Capture: Adern bedeuten Leben!

Das Gurgel-Update #1

Heute hatte ich einen Termin zu einem Angio-CT des Halses wegen Karotissklerose mit V.a. ( Verdacht auf ) höchstgradige ACI-Stenose links. ACI auf lateinisch: aorta carotis interna, zu deutsch: Innere Halsschlagader. Und eine Stenose ist immer eine Verengung. Also: Meine linke Halsschlagader ist wahrscheinlich verstopft, dicht. Und diese Computertomographie (CT) soll dies verifizieren oder im besten Fall ausschließen..

Die Gefahr bei einer durch Kalkablagerungen (Plaque) verengten Halsschlagader besteht darin, dass sich Kalkbrocken lösen, ins Gehirn wandern und dort einen Gehirnschlag, auch Hirnschlag oder Schlaganfall genannt, auslösen können. In der medizinischen Umgangssprache nennt man das auch Apoplex, Stroke oder Insult.

Egal, wie man es nennt. Es kann tödlich sein, zumindest aber schwerwiegende Folgen wie Sprachstörungen, Sehstörungen, Gehstörungen, Lähmungen und weitere sehr starke Einschränkungen der Lebensqualität nach sich ziehen. Bei mir vermutet man, dass ich auf dem linken Auge mal einen sogenannten Augeninfarkt hatte, der vom Augenzentrum Nordwest in Rostock bei der schlampigen “Voruntersuchung” zur Kararakt-OP aufgrund der Massenabfertigung dort nicht erkannt wurde. Ich entsinne mich auch, dass ich am 22. Dezember 2010 plötzlich von einem Tag auf den anderen schlechter sehen konnte. Leider bin ich aber nicht zu einem Augenarzt gegangen. Es war damals kurz nach der Zeit, in der wir meine Schwiegermutter in Hamburg in den Tod begleitet haben. Irgendwie war damals unser Leben außer Kontrolle geraten.

Aber zurück zum Angio-CT. Ach ja, Angio leitet sich vom Wort Angiographie ab und bedeutet die radiologische, also auf Röntgenstrahlen basierende Untersuchung von (Blut)gefäßen.

Warteraum im GDZ Rostock, Radiologie

Natürlich habe ich mich vorher – wie immer – über Tante Google schlau gemacht und erlesen, dass man nüchtern zur Untersuchung erscheinen soll. Es reicht in diesem Fall, so ergoogelte ich, dass man vier Stunden vor der Untersuchung nichts isst und außer Wasser auch keine anderen Getränke zu sich nimmt. Für mich ein großer Vorteil, den so konnte ich noch bis morgens um 5 Uhr – wie üblich – zwischendurch, wenn ich aufwachte, Bananen essen und hatte nicht ganz so lautes Magenknurren am Morgen. Zu dem Thema habe ich ja bereits einen Blogartikel “Das kann ja nicht gesund sein …” geschrieben.

Ich hatte auch ergoogelt, dass man ein jodhaltiges Kontrastmittel (lopamigita) über eine Kanüle in die Armvene verabreicht bekommt und mich über die Risiken informiert. Ich bin von einer Untersuchungsdauer von 10 Minuten ausgegangen und dachte dass ich bei einem Termin um 9:15 Uhr spätestens um 10 Uhr wieder da weg bin. Es lief aber anders ab, trotz sehr gutem Zeitmanagment in der Radiologie im GDZ Rostock Lütten Klein.

Zuerst musste ich einen Fragebogen ausfüllen und eine Aufklärung über Risiken durchlesen. Dann benötige man aktuelle Nierenwerte (Krea­ti­nin­wert) und Schilddrüsen-Werte (TSH-Wert) aus einem Blutbild, das nicht älter als 3 Monate sein sollte. Das wurde von meiner Hausärztin wohl vergessen, aber glücklicherweise hatte ich auf meinem Smartphone die letzte Blutuntersuchung, die ein halbes Jahr alt war. Die reichte dann doch.

Nun wurde ich in eine Kabine dirigiert, in der man sämtliche Teile mit Metall, wie Piercings, Zahnersatz, Ohrringe u.ä. ablegen sollte, da Metall das Ergebnis verfälscht. Danach musste ich in Rückenlage auf eine Liege und mir wurde mittels Kanüle das Kontrastmittel verabreicht. Ich wurde darauf hingewiesen, dass mir heiß werden könnte und ich mit einer Sprechanlage mit dem Personal, einer Ärztin und einer “Schwester” verbunden bin, falls etwas Unvorhersehbares eintritt.

Mein “bestes Stück” wurde plötzlich heiß

Ich sollte zur Justierung des Röntgen-Gerätes die Augen schließen und dann schien die Untersuchung auch schon auch schon begonnen zu haben, denn mir wurde sehr heiß. Und zwar nicht nur am Hals und Kopf, sondern auch dort, wo keine Röntgenstrahlen hingekommen sind. Ich traue es mich kaum zu sagen, aber in meinem “besten Stück” verspürte ich auch diese Hitze. Das Phänomen dauerte allerdings nur wenige Sekunden, vielleicht sechs, sieben Sekunden. Dann war es vorbei. Und die Untersuchung auch.

Ich musste dann allerdings noch mit der Kanüle in der Armbeuge eine gute halbe Stunde zur Beobachtung dort bleiben, damit sofort ein Gegenmittel intravenös verabreicht werden kann, wenn irgendwelche Nebenwirkungen durch das Kontrastmittel auftauchen. Und während ich da warten musste, hatte ich Zeit darüber nachzudenken, wodurch diese Hitze zustande kam. Durch das Einpumpen des Kontrastmittels? Aber wie kam die Hitze in mein Mittelstück?

Diese Frage konnte mir Google auch nicht beantworten und so stelle ich sie nun bei Quora rein. Vielleicht bekomme ich da eine Antwort auf diese Frage, die mich sehr beschäftigt.

Aber wenigstens habe ich herausgefunden, warum man nüchtern sein muß:

“Das Kon­trast­mit­tel in der Blut­bahn wird in­ner­halb von 15-30 Mi­nu­ten über die Nie­ren aus­ge­schie­den. Pro­ble­ma­tisch kann es wer­den, wenn die Nie­ren­funk­ti­on ge­stört ist. Das ein­fachs­te Zei­chen hier­für ist ein ver­än­der­ter La­bor­wert, der so­ge­nann­te Krea­ti­nin­wert. Er wird häu­fig vor der CT-Un­ter­su­chung er­fragt

Wenn vor der Rönt­gen­un­ter­su­chung si­cher­ge­stellt ist, dass Sie Kon­trast­mit­tel be­kom­men, soll­ten Sie nüch­tern zur Un­ter­su­chung kom­men. Das be­deu­tet für Sie, dass Sie 4 Stun­den vor­her nichts es­sen dür­fen. Der Grund: Bei ei­ner, al­ler­dings sel­te­nen, Über­emp­find­lich­keits­re­ak­ti­on auf jod­hal­ti­ge Kon­trast­mit­tel, kann es zum Er­bre­chen kom­men. Das Ein­at­men des sau­ren Ma­gen­saf­tes kann zu star­ken Schä­di­gun­gen der Lun­gen füh­ren. Es han­delt sich hier um eine rei­ne Vor­sichts­maß­nah­me.” Zitat Radiologienetz

Das Gurgel-Update #2

Heute habe ich den Befund des Angio-CTs abgeholt.

Kurz und schmerzlos:

Die arteria carotis, also die Halsschlagader links in Höhe der Bifurkation, also der Gabelung der Arterie, ist tatsächlich dicht, verschlossen. Fachausdruck: ACI-Verschluss.

Ansonsten sind die supraaortalen, also oberhalb der Aorta, der Hauptschlagader liegenden Gefäße “regelrecht kontrastiert”, also frei, da das Kontrastmittel sichtbar ist, würde ich als Laie übersetzen. Um das allerdings genau beurteilen zu können, schaue ich mir später mal die CD vom Angio-CT an … Jetzt hab’ ich erstmal die Schnauze voll und wende mich den schöneren Dingen des Lebens zu … Ich hab’ mich immer noch nicht getraut, die CD anzuschauen … Morgen vielleicht …

Wie immer schiebe ich gerne bis zum letzten Termin. Insbesondere Unangenehmes.

Ich habe nämlich bald einen Termin im Klinikum Südstadt in Rostock. Dort soll ich mich in der Gefäßchirurgie melden, mit CD der Aufnahmen von meinem Hals und dem Befund. Dann soll ich überzeugt werden, dass meine Halsschlagader bei nur örtlicher Betäubung, also bei vollem Bewusstsein, geöffnet und ausgekratzt wird. Ein Horror-Szenario für mich.

Es kann nämlich passieren, dass durch die Operation ein Schlaganfall (Apoplex) ausgelöst wird, weil sich während der OP Teile der Plaque lösen, ins Gehirn wandern und dort Gefäße verstopfen können, die eben einen Apoplex auslösen können. Deshalb, so habe ich gelesen, wird jemand während der siebzig bis neunzig Minuten andauernden OP meine Hand halten und mit mir reden. Eineinhalb Stunden reden! Unvorstellbar für mich.

Für ganz Hartgesottene

Wenn ich mir allerdings die “Nur-für-ganz-Hartgesottene”-Videos unten in der Galerie anschaue und sehe, wie da mit Skalpell und Pinzette an der Plaque geschnippelt und gezogen werden muss, um sie zu entfernen, frage ich mich, wie sich da Teile ablösen können. Aber vielleicht wird mir diese Frage im “Aufklärungsgespräch” beantwortet und hoffentlich nimmt sich der Operateur da mehr Zeit als der im Augenzentrum Nordwest vor meiner misslungenen Katarakt-OP.

Bei vollem Bewusstsein bin ich ja schonmal vor 30 Jahren operiert worden. Nach einer Schussverletzung. Da hatte man nämlich im Krankenhaus vergessen, eine Kugelette, also Trägermaterial für Antibiotika aus der Schusswunde zu entfernen und fast wäre meine Hand deswegen verfault und hätte amputiert werden müssen. Aber das war wohl ein Kinderspiel gegenüber dieser Marathon-OP.

So, jetzt schaue ich mir erstmal die CD mit den Angio-CT-Aufnahmen von meinem Hals an.

Ihr erinnert euch, bei der Röntgen-Untersuchung, bei der mir und meinem “Freund” so heiß wurde.

Auf der CD befinden sich jede Menge von Abbildungen meiner Halsschlagader(n) und als Laie kann ich nur vermuten, dass diese weißen Flecken die “bösen” Kalkablagerungen, Plaques sind.

Das Ganze sieht für mich nicht besonders vertrauenserweckend respektive “gesund” aus. Das muss ich jetzt auch erstmal verdauen …

Für ganz Hartgesottene ist in der Video-Galerie unten Film-Material von einer solchen OP zu finden.

 

Das Gurgel-Update #3

Klinikum Südstadt in Rostock, Außenterasse Cafeteria

Heute hatte ich einen Termin um 8:45 Uhr bei der “Gefäß-Sprechstunde” im “Klinikum Südstadt” in Rostock. Einen festen Termin, dachte ich, da ihn meine Hausärztin telefonisch einen Monat vorher für mich vereinbart hatte. Als ich im Wartebereich jedoch etwa zwanzig Patienten sitzen sehe und erstmal eine Nummer ziehen muss,  ist mir klar: Das kann sich nur um Stunden handeln.

Nachdem nach relativ kurzer Zeit am Display meine Nummer erscheint, wird erstmal der wirtschaftliche Aspekt bearbeitet, indem meine  Krankenkarte eingelesen wird. Dann gebe ich in einem anderen Raum meine Befunde und die CD mit den Aufnahmen meines Halses von der Angio-CT ab und dann heißt es warten. Auf Nachfrage bei der freundlichen Mitarbeiterin: “So etwa zwei Stunden. Heute ist es voll”.

Und tatsächlich, nach etwa zwei Stunden ist es dann soweit: Wir werden ins Sprechzimmer des Gefäßchirurgen Dr. Andreas Hennig gebeten. Dort warten wir nochmals eine gewisse Zeit und es erscheint ein sehr freundlicher und sympathischer Arzt. Er schaut sich die Befunde und vor Allem ganz in Ruhe die CD mit meinen Halsadern an und sagt: “Da können wir nichts mehr machen. Das kann man nicht operieren.”

Ehe ich darüber nachdenken kann, ob das eine gute oder schlechte Nachricht ist, erklärt er uns die Situation.

Den Kopf aufmeißeln?

Die linke innere Halsschlagader (arteria carotis interna, ACI) sei vollkommen dicht, sozusagen verödet. Um sie wieder freizubekommen, müsste man den halben Kopf aufmeißeln. Das sei allerdings nicht nötig, da von dieser Halsschlagader keine Gefahr mehr ausgeht. Das Blut habe sich andere Adern und Wege zum Gehirn gesucht.
Und ich habe wohl riesiges Glück gehabt, dass ich anstelle eines Schlaganfalls wohl nur einen Augeninfarkt erlitten habe. Das würde auch meine Probleme mit dem linken Auge erklären.

Nun muss ich allerdings aufpassen, dass sich meine rechte Halsschlagader nicht durch Ablagerungen verengt oder gar verschließt. Der Arzt empfiehlt in seinem Befund, dass bei mir regelmäßige gefäßmedizinische Kontrollen und in drei Monaten ein FKDS (farbkodierte Doppler-Sonographie) der hirnversorgenen Adern gemacht werden sollte. Danach befundabhängig in regelmäßigen Abständen.

Bei dieser FKDS-Untersuchung werden die Blutflüsse in zwei verschiedenen Farben dargestellt. Eine Richtung in Rot, die andere in Blau. So können Durchblutungsstörungen aufgespürt werden.

Außerdem empfiehlt er kardiovaskuläre Risikoprävention, zu Deutsch: Gesunde Lebensweise, also kein Stress, Depressionen und Angstgefühlen entgegenwirken, körperliche Aktivität, Alkohol- und Nikotinabstinenz und gesunde, maritime Ernährung.

Möglicherweise bin ich durch jahrzehntelangen Stress in unserer Selbständigkeit so krank geworden. Möglicherweise durch das Broken-Heart-Syndrom (Stress-Kardiomyopathie, TTC), also Herzmuskelschwäche, die durch extremen Stress entstanden ist.

Update 5.9.19: Ich schicke also den Befund an meinen behandelnden Kardiologen und bitte um einen Termin – wie von Dr. Hennig empfohlen – Ende Oktober 2019. Ich bekomme einen Anruf von der Kardiologie, dass man für Mai 2020 einen Termin absprechen wolle.

Ich: “Im Mai erst, in acht Monaten? Das muss ein Irrtum sein. Bei nur einer freien Carotis. Bis dahin kann ich ja abkratzen, wenn die sich auch noch verschließt.” Die Schwester: “Nein, der Doktor hat das so angeordnet.” Ich: “Hat er denn den Befund gelesen? Da steht doch drin, dass die rechte Carotis Ende Oktober per FKDS untersucht werden soll …” Die Schwester: “Hat er gelesen. Hat er trotzdem so angeordnet.”

Ich habe das Gespräch dann ohne Terminvereinbarung beendet und sofort im Klinikum Südstadt angerufen und Dr. Kortmann von der Gefäßchirurgie dies geschildert, da Dr. Hennig in einer Not-OP war. Dr. Kortmann sagte mir dann zu, dass die Farbkodierte Doppler-Sonographie im November im Klinikum Südstadt durchgeführt werden kann.

Ich bin immer noch geschockt über das Vorgehen der Kardiologischen Praxis, da ich das nicht nachvollziehen kann, dass man eine Empfehlung eines Gefäßchirurgen derart zum möglichen Nachteil eines Patienten ignoriert, ohne die Gründe genauer zu erklären. Es geht immerhin um mein Leben. Für mich ist es überlebensnotwendig, dass meine rechte Halsschlagader frei bleibt. Und das kann man doch nur durch engmaschige Überprüfung gewährleisten. Entsprechend negativ ist auch meine Google-Rezession für diese Praxis ausgefallen.

Das Gurgel-Update #4

Heute, 20.11. habe ich den Termin im Klinikum Südstadt und nehme ihn trotz gripalem Infekt wahr. Auskurieren wäre zwar besser, aber das kann man sich als Patient im derzeitigen Gesundheitssystem dieser Republik nicht leisten. Nach gut einer Stunde Wartezeit hat Dr. Kortmann die FKDS, die Farbkodierte Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße, also der ACC, der arteria carotis communis, der ACE, der arteria carotis externa und der ACI, der arteria carotis interna, vorgenommen. Dabei kam der Befund heraus, dass die linken Arterien weiterhin verschlossen sind, die rechten dagegen nur minimale Plaque ohne Flußbeschleunigung am Abgang der ACI. der inneren Halsschlagader und AV, der arteria vertebralis, aufweisen.

Da fällt mir auf: Als alter Lateiner kann ich es nicht lassen, die lateinischen Begriffe der verschiedenen Halsschlagadern fast exzessiv zu benutzen. Manchen Leser nervt es vielleicht. Meine Latein- und Griechischlehrerin, Frau Hajek, hätte sich bestimmt gefreut, wenn ich damals so “altsprachbegeistert” gewesen wäre wie heute.

Auf Patientendeutsch: Glücklicherweise keine Stenose rechts hirnversorgend. Nächste Kontrolle in einem Jahr. Das Thema “Gurgel aufschneiden” ist also erstmal vom Tisch.

Nun kann ich mich solange wieder mit schöneren Adern als meinen beschäftigen 😉

Hand-, Arm- und Fußadern: ein natürlicher Schmuck

 

Fragen, Fragen, nichts als Fragen

Hier meine Quora-Fragen zum Thema

Was passiert, wenn man während des Schlafes einen Schlaganfall bekommt? Wacht man dann auf?

Was passiert, wenn sich während der OP an der Halsschlagader bei nur örtlicher Betäubung ein Blutgerinsel oder Plaque löst und zum Gehirn wandert? Was macht der Chirurg dann?

Was passiert, wenn man bei einer 90minütigen Halsschlagader-OP, die bei vollem Bewusstsein durchgeführt wird, urinieren oder husten muß?

Kennst Du jemand, der einen Halsader-Verschluss hat, sich nicht hat operieren lassen und trotzdem noch lebt beziehungsweise keinen Schlaganfall erlitten hat? Wie lange nach der Diagnose ist nichts passiert?

…. ich schreibe noch weiter am Artikel … bis zum bitteren Ende oder Happyend … schau immer mal wieder rein, wenn’s dich interessiert  …

Links:

Stroke Unit (für Schlaganfallpatienten) nach Städten suchen

WICHTIG: Anzeichen eines Schlaganfalls

Erste Hilfe bei Verdacht auf Schlaganfall

So läuft eine Operation an der Halsschlagader ab

Halsschlagaderverengung kann zur Erblindung eines Auges führen

Was passiert, wenn die Halsschlagader dicht ist?

Halsschlagader-OP: Wann muss operiert werden?

Studie: Maßvoller Weingenuß soll die Verkalkung der Halsschlagader verhindern

Apothekenrundschau: Angiographie

Netdoctor über Computertomographie der Gefäßsysteme

Wissenswertes über Kontrastmittel

Radiologienetz: Kontrastmittel im konventionellen Röntgen

Medizinlexikon: ACI-Stenose

Sehr hilfreich: Der Befunddolmetscher

… und ein etwas schöneres Thema: Die Erotik des (weiblichen) Halses

 

Video-Galerie

 


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Andi

andi

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5 Antworten

  1. Manfred sagt:

    Hallo Andi, ein wirklich “herzerfrischend” zu lesender Beitrag über ein ernstes Thema.

    Ich (71) habe gerade (Ende März) eine OP an der Carotis linksseits hinter mir und die rechte Seite soll auch noch folgen. Bei mir ist die OP gut verlaufen, habe – zumindest bis jetzt – keine Beschwerden (außer ein Taubheitsgefühl und hoffe, das dies so bliebt. Bin schon 3 Tage nach der OP entlassen worden.

    Also, falls du dich für eine OP entscheidest, sie ist mittlerweile ein Routineeingriff.

    Wünsche dir alles Gute.

    W

  2. Andi Andi sagt:

    Danke, Manfred, für dein Feedback. Und dass du mir Mut machst. Und Anderen, die vielleicht auch vor der Entscheidung stehen.

    Ich wünsche dir auch alles Gute.

  1. 22. August 2019

    […] habe meinen Verschluß der Halsschlagader mit Sicherheit dem starken Zigarettenrauchen und dem Stress während meiner freiberuflichen, […]

  2. 15. September 2019

    […] du diesen Artikel bis hierher gelesen hast, könnte dich vielleicht auch mein Artikel “Als es mir an die Gurgel ging …” […]

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