Leibeserziehung ✋ in den 60ern

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Foto: Familie Kukis/nh, Repro: Wienecke

… und Leibeserziehung wurde damals sehr wörtlich genommen!

Warnung: Diese Kindheitserinnerungen der 60er sind nichts für sensible Gemüter!

In den 60ern war aufgrund der Nachkriegszeit Lehrermangel. Ich kann da nur von Rheinland-Pfalz reden, denn dort bin ich zur Schule gegangen. In eine sogenannte Christliche Simultanschule, also mit protestantischen und katholischen Kindern in einer Klasse, aber in getrenntem Religionsunterricht und – du wirst es nicht glauben: Mit getrennten Toiletten für Protestanten und für Katholiken. Ach ja, auch eine Atheistin war in unserer Klasse. Das war damals etwas ganz Außergewöhnliches. Und sie hatte eine Freistunde, wenn bei Katholiken und Protestanten der getrennte Religionsunterricht abgehalten wurde. In der Freistunde musste sie allerdings dem Sportunterricht einer anderen Klasse beiwohnen. Ja, so war das damals.

Und es wurden in den Grundschulen (damals Volksschule genannt) ganz normale Hausfrauen eingestellt, die keinerlei pädagogische Ausbildung hatten und deshalb auch wie im richtigen Leben Ohrfeigen verteilten, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Auch die Mädchen waren davon nicht verschont. Das war eben die “harte Schule” der 60er und wir haben die Backpfeifen einfach sportlich genommen.

Geturnt wurde damals in den 60ern mit nacktem Oberkörper, auf dem des Öfteren der knallrote Abdruck der Hand unserer Sportlehrerin zu sehen war, genauso wie an den Oberschenkeln hinten oder vorne.

Es hieß damals ja auch Leibeserziehung und das hat unsere Lehrerin, Frau Köster, sehr wörtlich genommen. Übrigens turnten Jungs und Mädchen damals zusammen, da in den 60ern nicht nur Lehrer-, sondern auch Platzmangel wegen fehlender Gebäude herrschte. So schnell wie mit dem Wiederaufbau des Ostens nach der Wiedervereinigung und mit dem Solidaritätszuschlag ging es damals in der Nachkriegszeit mit dem Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Gebäude nicht.

Es roch nach altem Leder und Schweiß

Ich erinnere mich auch noch genau an die Turnschuhe aus blauem Stoff und weißer Gummikappe, die blauen Einheitsturnhosen und den blauen Stoffbeutel für das Turnzeug. Ich erinnere mich auch an den Geruch der Turnhalle nach altem Leder und Schweiß. An die schwarzen Hände, manchmal mit Holzsplittern verziert nach dem geliebten Sitzfußball. Da durfte sich dann eine Gruppe auch Unterhemden überziehen, die weißen Einheitsunterhemden. Damals gab’s noch keine Designer-Sportswear oder  Marken-Turnschühchen von Adidas, Nike oder Reebok. Aber auch Völkerball war beliebt. Weniger beliebt (zumindest bei mir) waren Übungen am Reck oder das Hochhangeln an der Eisenstange. Wenn man beim Runterrutschen nicht aufpasste, hatte man Brandblasen an den Händen.

In der ersten Klasse, so erinnere ich mich noch ganz genau, hatten wir Frau Köster in Leibeserziehung und Werkunterricht. Sie war ein sehniger, muskulöser Typ mit ausgeprägten Adern an ihren Händen und Unterarmen. Ähnlich wie Madonna in der Animation.

Madonna’s Hand- und Armadern

Ich weiß auch nicht warum, aber diese hervortretenden Adern faszinierten mich schon als Schulkind.

Wenn Frau Köster im Werkunterricht ihre Arme auf mein Pult aufstützte, um einen Blick auf meine “Kunstwerke” zu werfen, waren ihre ausgeprägten, auffallenden Adern direkt vor meine Nase. Ich starrte dann immer wie gebannt auf dieses Kunstwerk von kreuz und quer verlaufenden Adern auf ihren Armen und Händen und prägte mir genauestens den Verlauf ihrer Adern ein, den ich schon bald auswendig kannte.

Im Nachhinein würde ich es so einordnen, dass ausgeprägte Adern für mich schon als Kind Kraft und Überlegenheit symbolisiert haben mussten.

Nichts für Weicheier

Im Sportunterricht hatte sie meist ihr Tamburin mit Schellen in der linken und ein Schlägel in der rechten Hand. Wir mussten dann im Takt im Kreis hüpfen. Wer nicht ordentlich hüpfte oder herumalberte, bekam die dünne Seite des Trommelschlegel zu spüren. Ein kurzes Pfeifen und im Bruchteil einer Sekunde war da ein Striemen auf der Rückseite des Beines des jeweiligen Übeltäters zu sehen, der dann vor Schmerzen wie ein Hampelmann herumhüpfte und wir anderen vor Schadenfreude grinsten.

Ja, unsere Schulzeit und speziell der Sportunterricht, die sogenannte Leibeserziehung in den 60ern war nichts für Weicheier.

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Links:

Der Alltag in den 60ern

Die Schulzeit in den 60ern

NEU Wissenschaftliche Studie über die Biomechanik einer Ohrfeige

✋ Einblick in einen rechtsmedizinischen Artikel über Ohrfeigen ⚠️ Ich habe den Artikel für 15 Euro gekauft, da er mich im wahrsten Sinne des Wortes brennend interessiert hat, werde ihn in Umgangssprache übersetzen, für dich zusammenfassen und ausführlich mit meinen Gedanken und meinem Wissen kommentieren.

Erkennen körperlicher Gewalt

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5 Antworten

  1. Andi sagt:

    Da hier ja leider niemand kommentiert aus mir unerklärlichen Gründen, hier ein Link zu Kommentaren zu einem Auszug des Artikels bei Wize Life –>> https://wize.life/schwarzes-brett/notiz/5cb8ea6a27f7c36b175d683a/erinnerungen/leibeserziehung-in-den-60ern-war-nix-fuer-weicheier

  1. 15. Mai 2019

    […] damals zutreffend Leibeserziehung genannt, ist ein anderes Thema, über das ich in einem anderen Blogartikel […]

  2. 18. Juli 2019

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